Herausfordernden Teenager zuhause

Insights Inside · 14. Juli 2023 · 29:32 Min.
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Herausfordernden Teenager zuhause
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Sandra Heim interviewt Jugend-Coach Lea Wernli über ihre Arbeit mit Teenagern aus der Perspektive der 3 Prinzipien. Lea erklärt, wie wichtig es ist, Jugendliche in ihrer Ganzheit zu sehen und ihr Verhalten nicht persönlich zu nehmen. Sie betont die natürliche Selbstregulierungsfähigkeit junger Menschen und wie Erwachsene durch weniger Sorgen und mehr Vertrauen bessere Beziehungen aufbauen können.

Kapitel

Junge Menschen bringen ein riesiges Potenzial mit. Eltern und Lehrer, die das im Blick behalten, können in stürmischen Zeiten wichtige Leuchttürme für die neue Generation sein. Viele Erwachsene lassen sich aber von den herausfordernden Verhaltensweisen eines Teenagers ablenken und schließen falsche Rückschlüsse auf dessen Persönlichkeit. Lea, die viel mit jungen Menschen arbeitet, wird in dieser Folge von Sandra über ihre Erfahrungen als Jugend-Coach befragt. Wenn du dich nach einer besseren Beziehung zu deinen Kindern oder als Lehrer zu deinen Schülern sehnst, dann findest du hier zauberhaft einfache und sehr wirkungsvolle Anregungen dafür. Viel Spaß beim Zuhören!

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0:03Sandra HeimInsights Inside, Aha-Momente für mehr Leichtigkeit im Leben, Business und Beruf.

0:10Lea WernliIn diesem Podcast stehen persönliche Erkenntnisse im Vordergrund unter dem Motto: There's nothing to do, there's something to see.

0:17Sandra HeimDu entdeckst die 3 Prinzipien hinter dem Leben und lernst, wie mehr Gelassenheit, innere Ruhe und entspannter Erfolg auch für dich möglich sind. Genieße die folgenden Minuten. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Insights Inside. Hier ist die Sandra Heim und ich bin hier mit meiner wunderbaren Kollegin Lea Wernli. Hallo! Wir sind heute im Duett und ich freue mich jetzt schon sehr auf das folgende Gespräch, weil ich würde Lea gerne über ihre Arbeit mit jungen Menschen interviewen.

1:01Und ich denke, das ist vor allem interessant für unsere Zuhörer, die selbst Kinder haben und vielleicht auch schon im Teenageralter. Und das ist interessant für alle, die mit Jugendlichen arbeiten oder sich generell einfach eine gute Beziehung zu Jugendlichen wünschen. Und da habe ich einfach schon ganz oft mitgekriegt, Lea, wie du in den Coachings von Jugendlichen, wo du aus dem Verständnis der 3 Prinzipien rauskommst, einfach vielleicht Transformationen, den Raum für Transformationen halt hältst, der sonst nicht möglich ist, wenn man aus so einem ganz klassischen Verständnis kommt, ja, dass irgendwas verkehrt ist und man muss das irgendwie ganz machen oder man ist in den Diagnosen irgendwie drin und schaut irgendwie, also das fällt mir einfach auf bei diesem therapeutischen psychologischen Ansatz, dass man irgendwie an dem vorbeischaut, was eigentlich schon an Schönheit und Größe im Menschen und im Jugendlichen steckt.

2:15Ja, und da würde ich gerne einfach mehr von dir erfahren. Ja, und auch, was kannst du vielleicht Vielleicht starten wir damit. Ja, was hast du durch deine Arbeit gelernt, wenn es darum geht, wirklich in Beziehung zu sein mit Jugendlichen und vielleicht auch mit auffälligen Jugendlichen?

2:39Lea WernliJa, ich finde es extrem bereichernd und berührend. Mit Jugendlichen zu sein, zu reden, zu sprechen, zu diskutieren, zu arbeiten, ihre Welt auch wirklich kennenzulernen und zu verstehen. Im Moment finde ich es total spannend, weil ich war 3 Jahre fast ausschließlich selbstständig als Coach und Ausbildnerin, habe auch da mit Jugendlichen gearbeitet, und im Moment bin ich aber auch wieder mit einem Fuß im Bildungssystem drin. Und auch zu sehen, inmitten von Mainstream-Schulbildung hat es eine transformative Wirkung, wenn ich mit einem anderen Blick, mit einer anderen Herangehensweise, mit einem anderen inneren Wissen mit diesen Jugendlichen arbeiten darf.

4:03Und was ganz oft geschieht, sogar egal ob ich von diesen Prinzipien spreche oder nicht, durch Das, dass ich das Heile und Ganze und Gesunde in diesen Jugendlichen wahrnehme, öffnet das den Raum, dass sie ganz schnell ein Erinnern haben. Und durch das Erinnern werden diese Kräfte wieder freigesetzt, diese Resilienz, dieses innere Wissen von, hey, ich kann den nächsten Schritt tun, ganz egal wo, in welcher Krise, in welchem Umfeld, an welchem Ort ich bin.

5:11Und das zu sehen und immer und immer und immer wieder zu sehen, finde ich unglaublich hoffnungsvoll. Und das Zweite, das vielleicht für die Lehrpersonen um mich herum sichtbar wird, ist: Ich nehme Verhalten nicht persönlich. Weil Verhalten nie persönlich ist, sondern ein Symptom von in unserem Inneren momentanen Zustand, auch bei Jugendlichen. Und Low Mood, die ernst genommen wird, bedeutet Low Mood Behavior, also das heißt schlechte Laune, die ernst genommen wird.

6:12Und wenn wir die, diese Brille aufhaben, wenn die Jugendlichen die Brille aufhaben, dann verhalten sie sich aus dieser schlechten Laune heraus: zu wenig Schlaf, zu wenig Essen, zu wenig, zu viel, zu lange gegähnt etc. Und wenn die Lehrperson auch dort ist, also wenn wir Low Mood mit Low Mood haben, dann kommen wir in den Kreis, und dann kombiniert sich schlechtes Verhalten mit schlechtem Verhalten, und dort kann eigentlich gar nie was Gutes, Konstruktives, Lustiges, Schönes, Erfolgreiches rauskommen dabei.

7:07Und also meistens ist es das schlechte Verhalten aus der schlechten Laune heraus, das zu zum Beispiel Strafe oder Sanktion etc. etc. führt. Und Nur schon dadurch, dass ich nicht persönlich angegriffen bin, wenn sich Jugendliche nicht so verhalten, wie ich es mir wünsche, passiert bei den Jugendlichen etwas. Also sie haben die Möglichkeit, relativ schnell zu merken und die Einladung anzunehmen, oder auch nicht, zurück in den jetzigen Moment zu kommen.

7:54Und nicht in den Gedanken und Ideen und, und Geschichten, die so in dieser schlechten Laune sich zeigen, hängen zu bleiben. Und wenn ich etwas in die Schule reinbringen könnte, so, ich meine, dann wären es natürlich die Prinzipien im Sinne von: Wir sind heil und ganz und Essenz. Alle immer, egal ob uns ein Bein fehlt oder die neurologischen Bahnen nicht genauso verdrahtet sind wie bei jemand anderem. Und wir fühlen Prinzip Gedanke von Moment zu Moment zu Moment.

8:41Und wenn das Prinzip Gedanke gerade im Keller sitzt, dann nehmen wir alles sau persönlich. Und nur diesen Aspekt von Verhalten ist viel, viel, viel unpersönlicher, als dass wir glauben. Ich glaube, das würde schon unglaublich viel verändern.

9:08Sandra HeimDa geht mein Herz auf, Lea, wenn du das erzählst. Und diese 2 wesentlichen Punkte, die du genannt hast, ne, also den Jugendlichen in seiner Ganzheit sehen, in seinem Heilsein, in seinem Nicht-Kaputt-Sein und auch nicht Falsch-Sein, ja, und Verhalten nicht persönlich nehmen. Ich finde das großartig. Ich merke das auch im Umgang mit meiner Tochter, die ist 14, ja, mitten in den Teenagerjahren. Und man darf auch nicht vergessen, da kommen ja noch die Hormone dazu.

9:44Ja, und da gibt es jeden Tag eigentlich Momente, wo ich mir als Mutter ein anderes Verhalten wünsche, ja, in puncto Sauberkeit, Aufräumen, Mithilfe im Haushalt. Und gleichzeitig stehe ich dann immer wieder an diesem Punkt, ja, ja, wie reagiere ich jetzt darauf? Reagiere ich genervt? Dann ist die Beziehung Reagiere ich irgendwie genau aus diesem Wissen heraus, dann bleibt irgendwie der Raum offen für weitere Begegnungen. Und ich reagiere manchmal genervt, ich reagiere manchmal verständnisvoll, aber tief in mir drin ist genau dieses Wissen, auch erzählst, ja.

10:34Und Wir haben aktuell gerade meine Schwägerin zu Besuch, die Lehrerin war und dann irgendwann ausgestiegen ist aus diesem Schuldienst, weil sie genau damit nicht mehr— also sie hat das von Natur aus mitgebracht, diese Herangehensweise an Jugendliche, dass mit denen eben nichts verkehrt ist. Und hat aber auch erzählt, es war für sie sehr schwierig, auch im Lehrerkollegium, wenn dann eigentlich dieser verbreitete Ansatz eben vorherrschend ist, dass die Erwachsenen sehr schnell dann auch ihre Urteile sprechen und teilweise den Jugendlichen eigentlich gar keine Chance geben, ja, weil dann, ach, das ist der, der immer stört, und das ist die, die immer das macht, und Ja, da finde ich das so wertvoll und auch so hoffnungsvoll, wenn einfach Menschen wie du dann in dieses System reingehen, weil da wird es am dringendsten gebraucht.

11:43Ja, und selbst wenn du jetzt mit den Jugendlichen arbeitest und nicht mit den Lehrern, da einfach wirklich eine neue Tür öffnen.

11:56Lea WernliUnd es kann einen einzigen Menschen brauchen. Und wir wissen das ja alle, alle, die nicht das perfekte Kleber-mit-Sternchen-Mädel oder Junge waren, die wissen, wenn es herausfordernd, schwierig, unangenehm war, wenn eine Lehrperson, ein Mensch, einer dich gesehen hat dass das schon zu einer Veränderung anstoßen konnte oder ihm zumindest Licht, ein kleines Licht irgendwo im Dunkeln sein konnte. Und mit oder ohne die Prinzipien gibt es solche Menschen auf den allermeisten Lebenswegen.

12:53Einer, der sieht, einer, der hinter die Fassade spüren, sehen, wahrnehmen kann. Und für die, die denken, ja, dann wird ja alles chaotisch und alles fällt auseinander, das stimmt nicht. Das bedeutet nicht, dass wir nicht Dinge anschauen, miteinander regeln, auch ausmachen dürfen, auch miteinander immer wieder neu verhandeln dürfen, bis wo ist es okay und wo nicht mehr. Aber der Unterschied ist, von wo kommen wir, wo sind wir im Innen, wenn wir reagieren, wie du es gesagt hast.

13:42Und ich sehe auch ganz viele wunderbare junge, ältere Lehrpersonen, die das Beste wollen. Aber die sorgen sich, die haben Druck, die glauben, performen zu müssen, um dass die Jugendlichen performen müssen, um dass Sorge und, und Drehen Liebe ist oder gute Arbeit. Und Sorge ist nie Liebe und ist nie gute Arbeit, nie. Das ist nur immer eine Einladung zu sehen, hey, ich bin gerade im Keller, meine Laune ist gerade unten, ich habe zu viel auf meinem Teller, ich darf zurück in den Moment kommen, ich darf einen Schritt zurück machen. Und ich hatte heute gerade ein, ein Gespräch mit deiner Mutter und Lehrerin.

14:47Sandra HeimCoaching.

14:48Lea WernliUnd die Mussbüsse— müssen, müssen ist Sturm, müssen ist Low Mood, müssen ist nicht wahr. Und wenn wir zurückkommen und hinschauen können, dann erkennen wir, was braucht es jetzt tatsächlich, was ist tatsächlich nötig. Was ist wirklich essenziell für den nächsten Lernschritt oder für die nächsten Möglichkeiten zur Erziehung, für die nächste Potenzialentfaltungsmöglichkeit? Was braucht es tatsächlich? Und die, diese Geschichten sitzen nicht im Muss-Bus.

15:42Sandra HeimDas ist so wahr, Lea. Also da sind verschiedene Dinge, also 2 Dinge, auf die ich gerne eingehen würde. Das eine ist der Musbus, und da finde ich eben auch, dass Erwachsene oft mit einer sehr strategischen Haltung an die erhoffte Entwicklung von Jugendlichen rangehen und irgendwie Also es gibt ja auch schon ganz früh diese berufsorientierenden Lerninhalte und sowas, wo ich oft denke, naja, also ich habe mit 20 noch nicht mal wirklich gewusst, was ich machen will.

16:20Wie soll das jetzt ein 13-jähriges Kind wissen oder ein 14-jähriges Kind? Also wo irgendwie finde ich auch, für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass irgendwie das alles auch viel mehr eingebettet ist in so ein generelles Vertrauen in den Lebensfluss. Und eben auch gerade, was das eigene Kind oder die eigenen Schüler oder die Jugendlichen, mit denen man arbeitet, eben angeht. Dieses ist ja auch das, Lea, was wir uns irgendwie so, was wir so neu erkannt haben durch die 3 Prinzipien, dass der Moment an sich, der zeigt schon, was als Nächstes dran ist.

16:57Ja, und nicht zu wissen ist eine wunderbare Gelegenheit, Um ja in einen Raum auch einzutauchen, wo völlig frische Impulse irgendwann auftauchen können. Und sich auch auf seine ganz, auf seinen ganz eigenen Weg einzulassen. Jenseits von dem, was im Falle von Jugendlichen halt die Erwachsenen als sinnvoll erachten. Das ist so das eine. Und auch, ich finde auch, also als Mutter gelingt mir das gut, dass ich irgendwie, wir haben ja Homeschooling seit Jahren, das beenden wir in Kürze.

17:36Aber ich habe da irgendwie einfach ein riesiges Vertrauen in den Lebensweg meiner Tochter. Ich weiß, dass sie selber weiß, was richtig und gut für sie ist, ja. Und sie hat es immer selber entschieden, das freie Lernen, das Zuhause-Lernen, jetzt in die Schule gehen. Und ich habe da einfach immer gefühlt, ja, ist das echt, ist das wahr? Und dann bin ich mit dem mitgegangen, wo ich ganz klar sehen konnte, das ist für meine Tochter echt und wahr, und das unterstütze ich natürlich.

18:10Und das andere, was du gesagt hast mit dem Sorgen machen, das finde ich so, so wichtig, weil Sorgen machen hat sowas Destruktives, ja. Und ich weiß selber, als ich noch Jugendliche war, meine Eltern, die haben sich ganz viel Sorgen gemacht und haben es mir auch immer wieder gesagt, ja. Und sie haben es gut gemeint, ja, sie haben es absolut gut gemeint. Aber ich kann mich noch daran erinnern, an das Gefühl, was das in mir verursacht hat, wenn meine Eltern sich Sorgen gemacht haben.

18:43Da musste ich sozusagen nicht nur mit meinen eigenen Unsicherheiten einen guten Weg finden, ja, sondern auch noch mit den Unsicherheiten meiner Eltern. Ich habe es damals wirklich so empfunden, ich stehe auf total wackeligem Boden, weil die vertrauen irgendwie nicht auf mich, und ich bin ja unsicher gewesen. Ich sag das völlig frei von Vorwürfen, weil ich weiß, meine Eltern haben wirklich ihr Bestes gegeben, und ich bin ihnen total dankbar. Die haben das gegeben, was sie damals konnten.

19:19Aber ja, da erinnere ich mich eben an mein eigenes Gefühl, und das ist etwas, was, wo ich auch immer versuche, das nicht weiter zu geben in meiner eigenen Beziehung zu meiner Tochter oder generell in Beziehungen. Und da finde ich auch, dass wir Erwachsenen wirklich der neuen Generation so einen Gefallen tun, wenn wir das Sorgenlassen sein lassen. Weil da gibt es diesen Fluss des Lebens, da gibt es dieses Ganzsein in jedem Menschen. Und wenn wir das Sorgenmachen zur Seite stellen, dann können wir das auch sehen.

20:01Das ist sowieso da, ob wir uns Sorgen machen oder nicht. Wenn wir das zur Seite stellen, dann können wir sehen, und dann können wir natürlich noch einen Beitrag dazu leisten, das irgendwie leichter nach außen fließen zu lassen als ohne.

20:22Lea WernliTotal. Und gleichzeitig glaube ich auch, es ist auch okay, Automechaniker zu lernen und dann zu merken, dass es eher Sozialarbeiterin sein wird, oder auch da, also Umwege, falsche in Anführungszeichen Entscheide, zu früh, das hat alles Platz. Wir sind unglaublich resilient und wir sind unglaublich gut darin, eigentlich wieder an die Oberfläche zu kommen. Ich glaube sogar, dass es— und das tönt vielleicht jetzt etwas eigenartig— dass manchmal sehr bewusste Eltern den Stürmen ihrer Kinder auch sehr viel Raum geben, wenn man dieses Verständnis, von dem wir sprechen, nicht kennt.

21:38Dann werden plötzlich Emotionen oder schlechte Gefühle oder hormonelle Unsicherheiten ganz große Themen. Und dort, wo wir hinzeigen, ist: Hey, wir können das alles fühlen und wir können unsichere Gedanken und Gefühle haben, aber wir fühlen nicht die anderen. Und wir fühlen auch nicht die Hormone im Weitesten. Wir fühlen die schon, aber wir können damit sein, ohne was tun zu müssen. Und eigentlich sehe ich, dass Jugendliche da ganz lange, ganz oft einen Mechanismus hin zu Gesundheit, hin zu wieder Balance, hin zu wieder Lachen nach dem Streit, hin zu wieder okay sein, auch wenn du davor einander runtergemacht hast, dahin tendieren.

22:41Und wir manchmal von außen Dramen daraus machen, Geschichten daraus machen, die Emotionen wahnsinnig ernst nehmen, Täter suchen, Täterinnen suchen, Schuldzuweisungen etc. Und eigentlich, wenn, wenn da gar nicht so riesige Geschichten drumherum gebaut werden, beobachte ich, wie die Jugendlichen da relativ schnell wieder in den Flow kommen. Und das finde ich auch ganz, ganz spannend zu sehen.

23:20Sandra HeimJa, absolut. Das ist dieser phänomenale Selbstregulierungsmechanismus.

23:26Lea WernliWahnsinn, Wahnsinn!

23:29Sandra HeimAbsolut. Und du sprichst einen ganz wichtigen Punkt an, Lea, weil ich finde dass in dem Wunsch, Kinder und Jugendliche konstruktiv zu begleiten, ja, raus aus dem klassischen System, rein in eine neue Zeit sozusagen, dass da eben ganz viel— ich weiß nicht, also früher, ich habe mal geguckt, was gibt es denn so für Kinderbücher im Alter von Margarethe, und dann habe ich dann so Coaching-Bücher für Kinder entdeckt, beispielsweise. Und wenn ich dann da reingeschaut habe, habe ich gemerkt, die meinen das sehr gut, aber ich weiß nicht, ein 8-jähriges Kind braucht kein Selbstcoaching für, was war schön an diesem Tag, was war, was kann ich morgen besser machen, oder sowas.

24:27Also Ich hoffe, ich finde jetzt die richtigen Worte, aber ich hatte das Gefühl, das kommt aus einem guten Willen, aber es kommt auch aus dem Intellekt, und es übersieht diesen Selbstregulierungs— diese Selbstregulierungskraft von Kindern und Jugendlichen, die viel schneller wieder zurück ins Jetzt kommen, von selbst viel schneller irgendwelche Gedanken fallen lassen, vergessen, was eben war, und einfach weiterspielen, weitermachen, weitergehen. Und da gibt es so eine Herangehensweise, Kinder irgendwie schon früh so in so eine Selbstreflexion zu bringen, die überhaupt nicht notwendig ist.

25:19Das kommt von selbst. Ja, irgendwann sind sie in dem Alter, da fangen sie an, selbst zu reflektieren. Aber zu früh ist es eher für mich ein Unterbrechen von einer ganz gesunden Fähigkeit, die sie sowieso schon mitbringen. Also ein Kind muss sich am Ende des Tages nicht fragen, was kann ich morgen besser machen, zum Beispiel. Eine völlige Überforderung und völlig unnötig, ja, weil diese Selbstregulierung setzt sowieso ein. Das Blatt ist wieder weiß am nächsten Morgen und ein neuer Tag beginnt und hallo Welt, hier bin ich.

25:55Lea WernliGenau. Und wir dürfen lernen, dass das Blatt wieder weiß wird. Also wir dürfen dekonditionieren, wir dürfen spüren, kalibrieren als Lehrerin, als Mama, als Partnerin, als Partner, als Arbeitgeber, Arbeitgeberin. Wo bin ich und von wo reagiere ich? Und da, da können wir hinschauen und sehen, dass die Kinder eben diesen Selbstregulierungsmechanismus haben, die Jugendlichen auch. Dort stärken, im Wissen, in ihrer Weisheit, in ihrem Ja zum Leben. Die wissen, die wissen Viel, viel, viel, viel mehr, vor allem den nächsten kleinen Schritt.

26:52Und das ist der wichtige, das ist dort, wo es drauf ankommt. Und Lernen, Lernen passiert in der unterschiedlichsten Art und Weise, und wir können einfach immer nur wieder diesen Raum öffnen, damit Lernen stattfinden kann. Damit sie spüren können, wo sie sind, damit sie die Kapazität haben, auch mal die Woki-Kärtchen zu lernen, damit sie auch Zeit haben zu integrieren und neue Ideen unter der Dusche oder auf dem Spaziergang oder beim wild Herumtollen auch überhaupt kommen können.

27:41Sandra HeimJa, ich bin sehr, sehr froh, dass du da arbeitest, wo du arbeitest, liebe Lea, und da einfach wirklich dieser Anker sein kannst.

27:55Lea WernliDas ist ein kleiner Teil, gell, sind ein paar Stunden, und ansonsten coache ich natürlich nach wie vor und auch coache auch Jugendliche tatsächlich privat, und da gehen wir natürlich noch anders in die Themen rein.

28:18Sandra HeimGenau, also da würde ich wirklich sagen, wenn wir jetzt Zuhörer haben, die gerade da einfach vielleicht wirklich sich Hilfe wünschen im Umgang mit einem Jugendlichen, wo es vielleicht gerade ein bisschen schwierig ist, dann meldet euch bei Lea.

28:34Lea WernliGenau.

28:39Sandra HeimOkay, also ganz lieben Dank. Und noch mal abschließend, wie du gerade gesagt hast, also liebe Zuhörer, seht eure Kinder ganz, seht sie heil, seht das Schöne in ihnen, das Selbstregulierende. Macht euch nicht so viel Sorgen und vertraut einfach. Dem Leben, auch in eurem Kind.

29:04Lea WernliDanke dir, ciao!

Häufige Fragen zu dieser Folge

Warum sollte man das Verhalten von Teenagern nicht persoenlich nehmen?

Verhalten ist nie persoenlich, sondern ein Symptom des momentanen inneren Zustands. Wenn Jugendliche in schlechter Laune sind (Low Mood), verhalten sie sich aus dieser Stimmung heraus. Wenn Erwachsene das nicht persoenlich nehmen, geben sie Teenagern die Moeglichkeit, schnell wieder in den Moment zurueckzukommen, statt in negativen Gedanken haengenzubleiben.

Wie koennen Eltern eine bessere Beziehung zu ihren Teenagern aufbauen?

Eltern sollten ihre Kinder als ganz und heil sehen, statt sich auf problematisches Verhalten zu fokussieren. Wichtig ist, sich weniger Sorgen zu machen und stattdessen auf die natuerliche Selbstregulierungsfaehigkeit der Jugendlichen zu vertrauen. Sorgen sind destruktiv und vermitteln Unsicherheit, waehrend Vertrauen Jugendlichen den Raum gibt, ihren eigenen Weg zu finden.

Was ist mit Selbstregulierung bei Jugendlichen gemeint?

Jugendliche haben einen natuerlichen Mechanismus, relativ schnell wieder in Balance zu kommen, auch nach Streit oder emotionalen Ausbruechen. Sie tendieren von selbst wieder hin zu Gesundheit, Lachen und Okaysein. Erwachsene sollten diesen Prozess nicht durch zu viel Drama, Schuldzuweisungen oder uebertriebene Reflexionsaufforderungen stoeren, sondern der natuerlichen Selbstregulierung Raum geben.

Magst du daran weiterarbeiten?

Wenn dich etwas aus dieser Folge nicht loslässt, sprich mit Lea darüber. Im Erstgespräch wird nichts entschieden und nichts verkauft, ihr schaut nur gemeinsam hin.

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