Heute geht es um den Moment, in dem wir merken, dass etwas nicht mehr passt — und trotzdem bleiben.
Ich sehe das so oft. Und ich kenne es von mir.
Wir bleiben in Jobs, die uns innerlich leiser machen.
Wir bleiben in Beziehungen, in denen wir uns nicht mehr wirklich sehen.
Wir ziehen Weiterbildungen durch, die uns schon lange nicht mehr berühren.
Wir halten an Entscheidungen fest, die einmal Sinn gemacht haben.
Und das Schmerzhafte ist nicht, dass wir es nicht wüssten.
Wir wissen es. Meist sehr klar.
Was wirklich weh tut
Das Schmerzhafte ist, dass wir viel investiert haben.
Zeit. Geld. Hoffnung. Identität. Ein Bild von uns selbst.
Da ist Scham: „Ich wollte doch, dass das hier funktioniert.“
Da ist Stolz: „Ich hab mich doch bewusst dafür entschieden.“
Da ist Angst: „Was bedeutet es über mich, wenn ich jetzt gehe?“
Die Geschichte vom Nasruddin und der Chilischote
Eine meiner Lehrerinnen hat mir dazu eine alte Geschichte erzählt:
Mullah Nasruddin hatte ein bisschen Geld übrig und kaufte am Markt wunderschöne, rote Früchte. Er steckte sie sich in den Mund — und sofort begann es zu brennen. Tränen liefen ihm über das Gesicht.
Der Händler rief: „Nasruddin, hör auf, das sind scharfe Chilischoten!“
Nasruddin hörte nicht auf.
Er sagte nur: „Ich esse keine Chilischoten. Ich esse mein Geld.“
Das tun wir auch
Wir bleiben — nicht weil es gut ist.
Sondern weil wir beweisen wollen, dass wir damals richtig entschieden haben.
Wir halten fest, um nicht fühlen zu müssen, dass wir uns geirrt haben. Wir leiden, um nicht loslassen zu müssen.
Dabei ist es kein Versagen, zu sagen:
„Das war damals stimmig. Und jetzt bin ich weiter.“
Das ist Wachstum.
Das ist Würde.
Das ist Selbstführung.
Eine kleine Frage zum Mitnehmen
Wenn du willst, atme kurz.
Frag dich nicht: „Ist es gut oder schlecht?“
Sondern:
Bin ich hier noch lebendig?
Wenn die Antwort leise ist — hör ihr zu.
Sie ist meist ehrlicher als jedes Argument.
— Lea
