Was macht das Wort NEIN mit dir? Über Ablehnungsempfindliche Dysphorie bei ADHS

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Ich habe in einem einzigen Monat über 30 NEINs eingesammelt.

Ich hatte ein Programm beworben. Es gab Interessierte. Menschen, mit denen ich Gespräche geführt habe, denen ich Einladungsbriefe geschickt habe. Und am Ende sagten sie Nein. Oder gar nichts.

Gehe ich easy-peasy damit um? Natürlich nicht.

Kann ich damit umgehen, weitermachen und mich über jeden Menschen freuen, der mit mir arbeiten möchte? Absolut.

Aber das war nicht immer so.

Früher hätte mich das wochenlang verfolgt

30 schlaflose Nächte. Hin und her überlegen. Sorgen machen. An meiner Arbeit zweifeln, an mir, an der Welt.

Gedankenkarussell der feineren Art.

Heute weiss ich: Ich bin nicht für alle. Meine Preise sind nicht für alle. Der Zeitpunkt stimmt nicht für alle. (Manchmal gibt es auch etwas an meinem Angebot zu verändern. Auch das ist OK.)

Und ich nehme es nicht persönlich. Meistens jedenfalls. Obwohl ich, wie viele Menschen mit ADHS, eine Ablehnungsempfindliche Dysphorie habe.

Was ist Ablehnungsempfindliche Dysphorie eigentlich?

Rejection Sensitive Dysphoria (RSD) ist eine extreme emotionale Empfindlichkeit. Ein Schmerz, der durch die Wahrnehmung ausgelöst wird, dass uns wichtige Menschen ablehnen oder kritisieren. Er kann auch entstehen, wenn wir das Gefühl haben, den eigenen hohen Ansprüchen oder den Erwartungen anderer nicht zu genügen.

Dysphorie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „schwer zu ertragen“.

Genau das ist es. Niemand mag es, abgelehnt zu werden. Aber für Menschen mit RSD sind diese universellen Lebenserfahrungen viel gravierender als für neurotypische Menschen. Sie sind unerträglich. Einschränkend. Stark beeinträchtigend.

Und trotzdem geht es

Erstaunlich, oder? Ich kann heute mit einer ganzen Ladung Neins umgehen — obwohl mein Gehirn dafür gebaut ist, jede Ablehnung wie eine Wunde zu spüren.

Und wenn ich das kann, kannst du es auch.

Warum ist das überhaupt erstrebenswert?

Wenn du als Coach, Heilerin, Therapeutin arbeiten willst, musst du dich zeigen. Deine Angebote sichtbar machen. Menschen einladen. Das produziert Neins. Und Jas. Je besser du mit den Neins umgehen kannst, desto einfacher kannst du dich überhaupt zeigen.

Das gilt nicht nur im Business. Wenn du eine Partnerin suchst, dich auf Hobbys einlässt, Freundschaften eingehst — überall lebt sich freier, wer nach einem Nein nicht ins Schneckenhaus verschwindet.

Was mir am meisten hilft

Eine einzige Erkenntnis: Ich fühle in jedem Moment zu 100 Prozent meine eigenen Gedanken — nicht die Person, die Nein gesagt hat, nicht die Absage selbst.

Meine Gefühle sagen mir nichts über die Situation. Sie sagen mir etwas darüber, wo ich in meinem Innern gerade bin.

Eine kleine Übung

Wenn du das nächste Mal ein Nein bekommst, mach Folgendes:

Fühle für einen Moment alle Gedanken und Gefühle, die kommen. Spüre sie in deinem Körper. Sei ganz bewusst und aufmerksam.

Und dann führe dir vor Augen: Dieses Nein hat nichts mit deinem Kern zu tun. Nichts mit deiner Essenz. Nichts mit deiner Kreativität.

Komm zurück in den Moment. Geh den nächsten Schritt.

— Lea

ÜBER DIE AUTORIN

Lea Wernli

Transformations-Coach, ADHS-Begleiterin und Mentorin in der Coach-Ausbildung. Arbeitet mit den Drei Prinzipien als Fundament. Zürich.

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