Eine Entschuldigung nach 10 Jahren, und was sie über uns alle sagt

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„Hey Lea, es tut mir voll leid, dass ich so gemein war zu dir.“

Vor ein paar Tagen hat sich ein lieber Mensch bei mir für etwas entschuldigt, das er vor zehn Jahren getan hat. Es ist ein echt netter Mensch. Ein richtig toller Typ. Hat gerade eine voll coole Frau geheiratet.

Im ersten Moment wusste ich tatsächlich gar nicht mehr, wovon er sprach.

Nach und nach kam es mir wieder in den Sinn.

Die Geschichte

Damals war ich neu in einer Gruppe. An diesem Abend habe ich ein Spiel angeleitet. Es war eine fast ausschliesslich männliche Runde, der Umgangston freundschaftlich, oft etwas provokant, manchmal ironisch, spöttisch. Mit fortgeschrittener Stunde und steigendem Alkoholspiegel konnte er verletzend werden.

Er fand die Art, wie ich das Spiel anleitete, doof. Er dachte, ich wollte mich einschleimen — bei der neuen Gruppe oder gar beim Chef. (Das kann übrigens durchaus sein. Manchmal stimmt etwas auch.)

Was genau er gesagt hat oder wie, weiss ich nicht mehr. Es war aber vor der Gruppe. Und ich weiss noch, dass ich danach weinend im Zimmer irgendeines Ferienhauses irgendwo in den Bergen lag.

Warum ich dir das erzähle

Er hat diesen Abend zehn Jahre lang mitgetragen. Ich nicht. Zum Glück.

(Ich war übrigens auch schon auf der anderen Seite. Das gehört dazu.)

Auf meinem Weg hin zu mehr Gelassenheit, mehr Freude und Spass — und weniger anstrengendem Leben — bin ich über ein paar sehr hilfreiche Dinge gestolpert.

Eines davon teile ich in fast jedem Coaching:

Im Sturm nicht handeln

Was heisst das?

Wenn wir angespannt, aufgewühlt, genervt, rechthaberisch sind — wenn wir für einen Moment das Mitgefühl verlieren für uns oder für den anderen (das fühlt sich oft eng oder unter Druck an) — dann: nichts sagen. Nichts tun. Nichts verändern.

Ja, sogar wenn du recht hast.

Du weisst nämlich genau, wenn du wieder abgekühlt bist, ob es noch etwas zu sagen oder zu tun gibt. (Meistens nicht.)

Diese vermeintliche Kleinigkeit kann uns und unseren Mitmenschen so viel Ärger ersparen.

Mehr Schnauze Fury, weniger Rechthabenwollen

Wir sind ja zusammen hier auf dieser Erde. Auf diesem Spielplatz.

Ich plädiere für mehr Schnauze Fury. Weniger Rechthabenwollen. Mehr Mitgefühl. Mehr Miteinander.

Bin ich eine Träumerin? Mit Sicherheit.

Erlebe ich ein leichteres, friedvolleres Leben, seit ich (meistens) anwende, was ich predige?

Aber so was von.

In diesem Fall hätte ein Mensch nicht zehn Jahre später an einen doofen Moment denken müssen. Und ich hätte damals einen viel schöneren Abend gehabt.

Die Entschuldigung habe ich natürlich angenommen.

— Lea

ÜBER DIE AUTORIN

Lea Wernli

Transformations-Coach, ADHS-Begleiterin und Mentorin in der Coach-Ausbildung. Arbeitet mit den Drei Prinzipien als Fundament. Zürich.

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