Du kennst ihn.
Der Pulli im Schrank, der seit drei Jahren hängt. Nicht weil du ihn liebst. Sondern weil du ihn mal gekauft hast, als du dich schlecht gefühlt hast.
Und ihn wegzugeben fühlt sich an, als würdest du zugeben, dass da Geld war, das nicht genug war.
Du kennst sie auch
Die Hose, die „vielleicht wieder passt, wenn…“
Das Kleid, das du für die Frau gekauft hast, die du sein wolltest — und die du irgendwie nie geworden bist.
Ich kenne diese Schränke.
Ich hatte selber so einen.
Was diese Schränke wirklich sind
Ein Schrank voller „eigentlich-nicht-mir“-Kleider ist selten nur ein Schrank-Problem.
Es ist ein Gedankenmuster, das sich irgendwo sichtbar gemacht hat.
Die gleiche Stimme, die sagt „behalt ihn trotzdem“, sagt dir an anderen Stellen auch:
- „Halt dich trotzdem zurück.“
- „Iss das trotzdem.“
- „Das bisschen Scham überstehst du schon.“
Und so geht es weiter. Tag für Tag.
Was Loslassen wirklich heisst
Kleidertauschen ist nicht nur Kleidertauschen.
Es ist ein sehr kleiner, sehr handfester Akt von: Ich darf mich auch mal neu sehen.
Es ist die Erlaubnis, nicht mehr die Frau zu sein, die du irgendwann mal werden wolltest. Und stattdessen die Frau zu sein, die du jetzt bist.
Mit dem, was dir steht. Mit dem, was sich gut anfühlt. Mit dem, was zu deinem heutigen Leben passt.
Eine kleine Übung
Geh heute zu deinem Schrank.
Greif den ersten Pulli, den du nie anziehst. Den, bei dem du sofort denkst: „Der.“
Halt ihn hoch.
Frag dich: Wann habe ich den gekauft? Welche Geschichte hängt da dran?
Und dann: Bin ich heute noch die Frau, für die ich ihn gekauft habe?
Wenn nicht — vielleicht ist heute der Tag, an dem er gehen darf.
— Lea
