Kennst du diese Momente, in denen du plötzlich ungehalten reagierst — und dich fragst: „Wo kam das denn jetzt her?“
Wut. Emotionale Überforderung. Ein Wort zu viel, eine Bemerkung zu spitz — und plötzlich ist da etwas, das nicht mehr zu kontrollieren scheint.
Ich erlebe das. Bei Jugendlichen, im Coaching — und auch bei mir selbst.
Was unter der Oberfläche passiert
Diese Momente entstehen nicht aus dem Nichts. Es gibt eine innere Anspannung, die sich aufbaut. Eine, die wir oft nicht bemerken, bis sie eskaliert.
Und dann reagieren wir. Ohne es wirklich zu wollen.
Die übliche Antwort darauf: „Du musst lernen, deine Wut zu kontrollieren.“
Aber genau das ist vielleicht gar nicht der richtige Weg.
Das Schneekugel-Bild
Stell dir eine Schneekugel vor. Wenn sie ruhig steht, kannst du klar in sie hineinschauen — die Landschaft, die Figuren.
Aber sobald sie geschüttelt wird, wirbelt alles auf. Du siehst nichts mehr klar.
Genau so ist es in uns, wenn wir aufgeladen sind.
Wenn du in dem Moment versuchst, etwas zu kontrollieren — handelst du im Schneegestöber. Die Antwort, die da kommt, ist meist nicht die, die du eigentlich willst.
Das Leben im Orangeton
Es gibt diesen aufgeladenen Zwischenzustand. Nicht rotglühend explosiv. Aber auch nicht klar.
Ich nenne es das Leben im Orangeton.
Müde. Genervt. Unter Strom. Bereit, jeden Moment hochzugehen — oder dichtzumachen.
Allein das Erkennen dieses Zustands öffnet Türen.
Türen zu mehr Ruhe. Mehr Klarheit. Mehr Handlungsfreiheit.
Ein Lieblingsmoment
Eine Erkenntnis, die ich teilen möchte:
Erschöpfung, Wut und Rückzug haben oft denselben Ursprung.
Es hat nichts mit deinem Charakter zu tun. Es ist nicht „so bist du halt“.
Es ist das Verständnis davon, wie wir als Menschen funktionieren: Wir fühlen unsere Gedanken — von Moment zu Moment. Wenn der Schneesturm zu stark wird, drehen wir uns nicht durch. Wir warten. Und in der Stille kommt die Klarheit zurück.
Wenn dich jemand mit Wut konfrontiert
Sei sanft mit dir. Du bist nicht „aus der Bahn geraten“.
Du warst nur kurz im Schneegestöber.
Setz dich. Atme. Schau zu, wie sich der Schnee legt.
Und dann handle — aus der Klarheit, nicht aus dem Sturm.
— Lea
