Vielleicht kennst du das: Du willst einen belastenden Gedanken loslassen — und je mehr du es versuchst, desto stärker kehrt er zurück.
Wie ein Gummiband, das du versuchst zu dehnen. Es schnellt mit doppelter Kraft zurück.
Da ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.
Loslassen vs. Seinlassen
Loslassen ist oft ein aktiver Vorgang. Eine Anstrengung. Ich muss das jetzt loswerden.
Aber dieser Wille, etwas loszuwerden, ist selbst eine Form von Widerstand. Und Widerstand verstärkt.
Seinlassen ist anders.
Seinlassen heisst: die Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Ohne Widerstand. Ohne den Zwang, sie zu verändern oder aufzulösen.
Stattdessen: beobachten. Da sein lassen.
Was Seinlassen bewirkt
Wenn du einen schweren Gedanken nicht mehr loswerden willst — sondern ihn einfach da sein lässt — passiert oft etwas Überraschendes:
Er wird kleiner.
Weil du nicht mehr mit ihm kämpfst. Weil du ihm nicht mehr deine ganze Aufmerksamkeit gibst.
Er zieht durch. Wie eine Wolke am Himmel.
Eine kleine Übung
Wenn du das nächste Mal einen belastenden Gedanken hast:
Versuch nicht, ihn loszuwerden.
Sag innerlich: „OK. Du bist da.“
Beobachte ihn. Wie er sich anfühlt. Was er sagt. Wo er in deinem Körper sitzt.
Und dann — leb weiter. Mach deinen Kaffee. Geh zur Arbeit. Sprich mit deinem Kind.
Lass ihn parallel laufen. Ohne ihn zu bekämpfen.
Was du dabei lernst
Du musst nicht alles auflösen, um weiterzuleben.
Du kannst mit Gedanken sein. Du kannst Gefühle haben. Du kannst Schwere spüren.
Und gleichzeitig deinen Tag leben.
Das ist Seinlassen. Das ist die wirkliche Gelassenheit.
— Lea
