Viele meiner Leserinnen haben mir geschrieben, was sie gerade beschäftigt.
Ungeduld kam oft vor. Impulsivität. Sorgen über die Zukunft. Probleme in Beziehungen und Erziehung.
Heute geht es um Ungeduld. Ich kenne dieses Gefühl sehr gut.
Was Ungeduld eigentlich ist
Ungeduld ist der Gedanke: „Ich müsste schon woanders sein.“
An einem anderen Ort. In einem anderen Lebensabschnitt. Weiter. Schneller. Klarer.
Dahinter verbirgt sich oft ein Missverständnis: der Glaube, dass ich mich erst gut fühlen werde, wenn ich ein bestimmtes Ziel erreicht habe.
Aber Wohlbefinden hängt nicht an äusseren Umständen. Es ist ein Innenleben.
Was ich heute weiss
Wenn ich mich ungeduldig fühle, erkenne ich:
Aha — das Gefühl kommt aus meinen eigenen Gedanken. Nicht aus meiner Umgebung.
Nicht aus dem Zug, der zu spät ist. Nicht aus der Mail, auf die ich seit Tagen warte. Nicht aus dem Leben, das zu langsam läuft.
Sondern aus dem Gedanken, dass ich schon woanders sein sollte.
Die Botschaft hinter Ungeduld
Diese Momente sind heute für mich ein Zeichen. Ein Wegweiser.
Sie sagen: „Du bist gerade nicht präsent. Du bist gerade nicht hier.“
Und sie laden mich ein, wieder ins Hier und Jetzt zurückzukehren.
Wie auch Wut und Frust funktionieren
Ungeduld ist nicht allein. Wut. Frustration. Genervtsein.
All diese Gefühle können uns helfen zu erkennen: Ich bin gerade nicht präsent. Mein Kopf ist in einer Geschichte über früher oder später.
Wenn wir das sehen, müssen wir das Gefühl nicht mehr wegmachen.
Wir können es als sanftes Klopfen verstehen. Eine Erinnerung an das Jetzt.
Eine kleine Übung
Beim nächsten Mal, wenn du Ungeduld spürst — vor der Kasse, im Stau, in einem Gespräch, das sich zieht:
Atme einmal ein. Spür den Boden unter deinen Füssen.
Frag dich nicht „Warum dauert das so lange?“
Frag dich: „Wo bin ich gerade in meinem Kopf?“
Und dann komm zurück. In den Moment. In den Atem. In das, was jetzt ist.
Du wirst überrascht sein, wie schnell sich die Ungeduld auflöst — sobald du sie als Botschaft hörst, nicht als Problem.
— Lea
