Fehler erwünscht: Warum Bewertung uns lähmt

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Die Worte „Fehler“, „fehl“, „fehlen“, „falsch“ wurzeln im Lateinischen falla (Substantiv) oder fallere (Verb). Beide bedeuten ursprünglich: Betrug oder Täuschung.

Spannend, oder?

Denn um etwas als Fehler zu erkennen, muss eine Bewertung erfolgen. Es braucht eine Definition davon, wie das Ergebnis aussehen sollte. Ohne diese Idee gäbe es überhaupt keine Fehler.

Unser Gehirn liebt das Bewerten

Wir denken und fühlen. Und unser Gehirn befindet sich oft in einem Bewertungsmodus: gut, schlecht, richtig, falsch.

In der Steinzeit war das nützlich — ein Tiger konnte jederzeit um die Ecke kommen. Heute ist es oft eher hinderlich.

Alles, was du denkst, fühlst du auch sofort. Wenn dein Bewertungsmodus läuft, genügst du deinen eigenen Anforderungen oft nicht. Und falsch willst du dich schon gar nicht fühlen.

Also tust du manchmal Dinge nicht, die sich eigentlich richtig anfühlen würden — nur um ja keine Fehler zu machen.

Das Verrückte

Du bist am Leben. Und solange du am Leben bist, machst du Dinge. Du machst unweigerlich Sachen, die du als Fehler ansiehst. Du greifst korrigierend ein. Du suchst eine neue Spur.

Du lernst.

Wenn ich heute zurückschaue, waren die einzigen echten Fehler diejenigen, die der etymologischen Bedeutung tatsächlich entsprachen: Betrug oder Täuschung. (Die meist aus Scham entstanden.)

Alles andere war Lernen.

Was „lernen“ wirklich bedeutet

Auch das Wort lernen hat eine schöne Wurzel. Vom althochdeutschen lernen oder lernon — ursprünglich: einer Spur nachgehen, nachspüren, schnüffeln.

Im Gotischen heisst lais schlicht: „ich weiss“ — oder genauer: „ich habe nachgespürt“.

Die indogermanische Wurzel lais- bedeutet: Spur, Bahn, Furche.

Eine Einladung

Wenn ich einen Raum für mich (und für dich) erschaffe, dann ist es einer, in dem Fehler gemacht werden dürfen. Ein Raum für deine individuellen Schritte, für Aha-Momente, für kleine und grosse Einsichten.

Lass uns gemeinsam einer Spur nachgehen. Schnüffeln. Nachspüren.

Und übrigens: Ich mache immer wieder Fehler. Auch in Texten. Und das ist absolut OK.

Eine Selbstcoaching-Frage zum Mitnehmen

Schnapp dir Stift und Papier und schreibe einfach drauflos:

Wo gehe ich gerade einen Schritt nicht — weil ich Angst habe, einen Fehler zu machen?

Gibt es einen winzigen Schritt davor, den ich gehen könnte?

— Lea

ÜBER DIE AUTORIN

Lea Wernli

Transformations-Coach, ADHS-Begleiterin und Mentorin in der Coach-Ausbildung. Arbeitet mit den Drei Prinzipien als Fundament. Zürich.

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