Sei eine Tomate mit Ohren: Über die Kunst des tiefen Zuhörens

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Die meisten Menschen können hören. Das ist nicht das Thema.

Das Thema ist: Wir hören in den allermeisten Fällen uns selbst zu. Nicht dem anderen.

Unser Kopf ist beschäftigt. Wir denken schon an die nächste Antwort, während der andere noch redet. Wir interpretieren. Wir bewerten. Wir sortieren ein.

Und dann fragen wir uns, warum echte Verbindung so selten ist.

Wo wir es noch können

Wir alle haben „Deep Listening“ schon erlebt — oft, ohne es so zu nennen.

Wenn wir ein Baby verstehen wollen, sind wir grossartige Zuhörerinnen. Wir nehmen es mit allen Sinnen wahr. Wir spüren, wir wissen, was es braucht. Da ist kein Filter, kein Kopf-Kommentar.

Wenn wir verliebt sind, ist es ähnlich. Wir wollen den anderen Menschen erfahren. Wir sind neugierig. Wir tauchen ein. (Später kommt uns unser Denken wieder in den Weg — und unsere Fähigkeit zuzuhören wird kleiner.)

Wie schön wäre es, wenn wir unseren Liebsten immer so zuhören würden.

Was passiert, wenn jemand wirklich zuhört

Du kennst das Gefühl von der anderen Seite. Wenn jemand dir präsent zuhört, ohne dich zu verurteilen, ohne dich zu unterbrechen — wirklich sieht, wer du bist und was du gerade sagen möchtest — dann passiert etwas Erstaunliches:

Du siehst deine eigene Lösung schneller. Du erkennst die Richtung, die für dich gerade stimmig ist. Und du beruhigst dich. Und wer ruhig ist, sieht klar.

Das ist die ganze Magie. Du musst keine Ratschläge geben. Du musst nichts „beheben“. Du musst nur wirklich da sein.

Eine kleine Geschichte über zwei Premierminister-Kandidaten

England, 1868. Eine Dame trifft sich nacheinander mit beiden Kandidaten zum Essen: William Gladstone und Benjamin Disraeli.

Ihr Resümee:

„Nach dem Essen mit Mr. Gladstone dachte ich, er sei die intelligenteste Person Englands. Nach dem Essen mit Mr. Disraeli dachte ich, ich sei die intelligenteste Person Englands.“

Welcher hat das Rennen gemacht?

Disraeli.

Es geht beim Zuhören nicht nur darum, jemandem etwas zu schenken. Es geht auch darum, wie der andere sich nach dem Gespräch fühlt — bei sich selbst.

Eine Übung für deine Woche

Hör doch deinem Liebsten, deinen Kindern, deiner Freundin oder deiner Chefin einfach mal ganz präsent zu. Ohne deine Idee gleich einzubringen.

Warte einen Moment länger. Bleib da. Beobachte, was passiert.

Du wirst überrascht sein.

— Lea

ÜBER DIE AUTORIN

Lea Wernli

Transformations-Coach, ADHS-Begleiterin und Mentorin in der Coach-Ausbildung. Arbeitet mit den Drei Prinzipien als Fundament. Zürich.

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